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Chris Carr, siebenfacher Grand National Flat-Track-Champion, kam nach England und zweigte für eine Gruppe lernwilliger Short-Tracker wertvolle Kenntnisse und Erfahrungens ab, bevor er selbst loslegte....

Also jettete Chris Chris nach England. Der Plan sah so aus: ein Tag Dirt-Track-Lehrgang geben für interessierte Roastbeefs, ein Tag real Racing, gegen die lokalen Cracks bei ihrem letzten Championship-Rennen. Als Untersatz sollte Chris über eine KTM 450SX-F verfügen, wie er sie auch in der heimischen AMA GNC Single-Championship einsetzt. Dazu muss man wissen:


 


In Amerika treten die Profis beim Großteil ihrer Events in zwei Klassen an. Am ersten Tag auf Einzylinder-Viertakt-Crossern auf gemixten Supermoto/Shorttrack-Rechts/Links-Kursen. Am zweiten Tag auf längeren Links-only-Ovalbahnen, dafür kommen meist die klassischen Twin-Eisen zum Einsatz. Flat-Track ist der Oberbegrifff für beide Spielarten.


 


Chris reiste mit Gabelholmen und Stoßdämpfern im Gepäck an, gekürzt und speziell abgestimmt für optimales Driftverhalten auf dirtigem Untergrund. Die montierte er in Scunthorpe in eine gestellte KTM 450 SX-F. 19-Zoll-Dirt-Track-Räder noch dazu und Carr war ready to race: "Das Bike ähnelt nun dem, was ich in den USA einsetze. Wir haben in den Staaten vielleicht ein bißchen mehr Leistung, weil Auspuff und Zylinderkopf modifiziert sind, dazu füllen wir Rennbenzin ein. Aber hier in Britain wird auch der Serienmotor mehr als stark genug sein, keine Sorge."

In Amerika ist Chris Carr eine große Nummer. Nicht nur in Daytona, Indianapolis oder Springfield hat er den Gasgriff brutaler Dirt-Track-Bikes schon lässig ausgewrungen, oft vor zwanzig- oder dreißigtausend Zuschauern, sondern auf praktisch jedem gottverdammten Flattrack in diesem riesigen Land. Carr hat mehr gewonnen, als die meisten anderen zusammen; in diesem Sport kennt ihn jeder.


 

Warum, zum Teufel, kam der siebenfache Grand National Champion im Oktober über den großen Teich ins britische Kaff Scunthorpe? Die Antwort ist simpel. Weil es dort einen Speedway-Track gibt. Weil er "seinen" Sport auch oversea ein bißchen ins Rampemlicht zu rücken gedachte. Und weil Flat-Track-Racing für ihn auch ein Way of Life ist. Da fragt man nicht viel, sondern macht einfach.


 


"Ich habe schon mehrfach Peter Boast getroffen, der selbst fährt und dazu die britische Short-Track-Serie promotet, und jedesmal sprachen wir über einen möglichen Gastauftritt. Gefallen habe ich an der Idee schon immer gefunden. Dieses Jahr hat endlich das Timing gepasst. Bei uns ist die Flat-Track-Saison gerade zu Ende. Wir hatten mehr Publicity denn je heuer, weil wir am Weekend des Indianapolis-Grand-Prix ebenfalls ein Rennen hatten."

"Ich will natürlich niemand sich verletzen sehen, aber das heißt nicht, dass ich es Gegnern bei meinem Gasttart unbedingt einfach mache. Ich werde keinen Blödsinn anstellen, aber ich will natürlich gewinnen, so wie ich immer gewinnen will."


 


Und gewonnen hat er natürlich. Im ereignisreichen Semi-Finale bereits brauste Chris in deutlicher Manier zum ersten Sieg. Seine jahrelange Erfahrung stach buchstäblich ins Auge. Aber nicht nur punkto blanker Speed. Auch als gelbe Warnflaggen wegen eines gestürzten Fahrers geschwenkt wurden – aufschauen, Gas wegnehmen, checken, where´s the problem, auch nach hinten orientieren. So macht man das. Das Herz in beide Hände nehmen, und trotzdem das Hirn nicht abschalten.


 

Nach einem weiteren siegreichen Zwischenlauf kam schon das Finale. Chris legte aus der ersten Reihe einen Granatenstart hin, er explodierte förmlich, schmetterte in Führung, die er entschlossen bis ins Ziel nicht mehr abgab – Sieg vor Peter Boast und Marco Belli, dem britischen Shorttrack-Champion 2008. Carr´s Racespeed war schlicht eine virtuose Performance, eine perfekte Mischung aus irrem Speed und kontrollierter Angriffslust.


 

Als Chris Carr in den Flieger stieg, brachte er einen Pokal mehr mit nach Hause. Der Eindruck, den er uns zurück liess, ist nachhaltig: wir hatten den weltbesten Dirt-Tracker zu Gast, wow!

Chris Carr dann im Training zuzuschauen, war elektrisierend. Kaum zu glauben, dass er sich auf einer für ihn fremden Strecke mit einem erst kurz zuvor zusammen geschraubten Bike derart anzugasen traute. Absolut göttlicher Speed! Perfekte Fahrzeug-Beherrschung, beim Reinfahren in die Kurven wie beim Rauspowern. Sauber, schnell, quer. Hammer!


 

Nach dem Training folgten die Heat-Races. Im Verlauf dieser Vorläufe änderte sich der Zustand der Piste. Jetzt war Chris noch mehr in seinem Element: "Am Morgen war der Track noch ein bißchen feucht. Also schmierig. Aber jetzt ändert sich der Zustand in das, was wir daheim "blue groove track" nennen. Es bildet sich eine Spur, in der die Haftung am besten ist. Nur darin ist man wirklich schnell. Etwas daneben und du hast keine Chance. Das macht Überholen ziemlich tricky."


 

Carr weiter: "Natürlich wird verbissen um diese "blue groove" gerauft. Ist jemand vor dir, musst man ihm einheizen. Wie? Natürlich das Vorderrad zeigen. Möglichst oft, Druck ausüben, bis der Gegner einen Fehler macht und du überholen kannst." Nachsatz unter grimmigem Lächeln: "Wenn das nicht klappt, muß man eben die Brechstange auspacken und ihn über den Haufen fahren, mehr oder weniger."


 


Wird Chris sich denn wenigstens gegenüber den britischen Fahren etwas Zurückhaltung auferlegen?