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löwenherz


 

Volker Schinkmann gewinnt nicht einfach so. Er lacht dem Schicksal ins Gesicht, wenn er seine RC8 als Erster über die Ziellinie peitscht. Racing rules. Trotz lebensbedrohlichem Nierenleiden.


 

„Ich muss das halt timen.“ Das? Das ist der oft fast ohnmächtige Taumel zwischen Medikamenten und Nebenwirkungen, zwischen Familienglück und der kalten Realität einer Dialyse, zwischen Schmerzattacke und Krankenhaus. Aber das, das sind auch lange Nächte in der Werkstatt bei Kumpel und Copilot Stefan Höfle von KTM Heilbronn. Und das, das sind vor allem erfolgreiche Ausflüge ins Revier einer KTM RC8, auf die Rennstrecke. Sehr, sehr erfolgreiche Ausflüge.


 
 

Volker „Schinki“ Schinkmann, Arzt, 32, Vater zweier Kinder. Die schönste Nebensache der Welt war für ihn schon immer eine Hauptsache. Sein Kreislauf pumpt Super Plus, seine Gedanken kreisen um Racing. Gefahren? Er weiß genau, wie sich ein Highsider anfühlt und wie lange eine anständige Prellung schmerzt. Auch kennt er das Gefühl steter Lebensgefahr. Er lebt ständig damit.

Volker Schinkmann ist schwer nierenkrank. Ein Umstand, der sein Leben in grossen Teilen bestimmt. Ein Umstand auch, den er als Teil seines Lebens akzeptiert. Und einer, mit dem er möglichst pragmatisch umgeht, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Racing heisst leben, besonders intensiv leben, und darum geht‘s schliesslich. Schon immer zeichnete ihn aus, die Welt von der positiven Seite aus zu sehen. Kein blauäugiger Optimismus, vielmehr das lächelnde Eingeständnis, dass Glück erarbeitet sein will: „Motorradfahren ist gefährlich, und Stürze passieren, vor allem in Grenzbereichen. Gerade deshalb ist es so wichtig, Fahrdynamik, Fahrwerk, Fahrtechnik und Ergonomie zu begreifen.“ Je tiefer da die Erkenntnis, so Volker, umso schneller werden die Rundenzeiten, und desto sicherer das Fahren selbst. Kein Wunder, gehört er zu den besseren Instruktoren, wenn es darum geht, den Tanz mit der Schräglage zu erlernen. Und, kein Wunder, er kann beißen. Im Rennen und im Leben.

Motorradfahren liegt in der Familie, schon Papa drehte kräftig am Gas. Der junge Volker ergattert als jugendlicher Heißsporn einen Nebenjob beim Knieschleiferblatt PS, entdeckt die Freude an der Arbeit mit Motorrädern, auch, dass oft die Feinheiten in Abstimmung und Fahrtechnik den entscheidenden Unterschied ausmachen.


 

Auf kleinen Motorrädern perfektioniert der 1,87-Meter-Lulatsch seine Fahrkunst, dreht erste Runden auf einer Aprilia RS 250, siedelt in den MZ-Cup, wird schneller und schneller, etabliert sich als guter Pilot im semiprofessionellen Bereich. Derweil meistert er sein Medizin-Studium, promoviert, gründet eine Familie, wird zweimal Vater. Vor Jahren dann die schwerwiegende Diagnose, die fortan Volkers Leben bestimmen wird. Was ihn aber nicht von der konsequenten Verfolgung seiner Rennfahrerkarriere abhält.

Die führt ihn 2008 zu Stefan Höfle und KTM Heilbronn. Noch im gleichen Jahr lassen die beiden ihre Gegner die Macht der KTM RC8 spüren, denn Volker gewinnt die ADAC Conti Challenge – der erste Meistertitel auf RC8 überhaupt. Im April 2009 dann der Sieg bei den 1000 Kilometern von Hockenheim. Volker und Copilot Stefan knacken in ihrer Klasse auf der RC8 keine Geringeren als die Ex-Superbiker Toni Heiler und Peter Linden auf Ducati, gefolgt von einer ganzen Armada schneller Twins, die auf den Sieg beim deutschen Prestige-Klassiker anstürmten. Volker beschwichtigt: „Reine Teamleistung. Eine RC8 ist eben superschnell, da passt alles, das spricht sich auch langsam herum. Und Stefan gibt sowieso fürchterlich Gas.“


 

Alles so einfach? Klar ist der Stefan schnell, und vom Potenzial der RC8 braucht uns bei KTM sowieso keiner zu überzeugen. Volkers Rolle verdient dennoch spezielle Aufmerksamkeit. Wenn er um Positionen fightet, tut er das buchstäblich zwischen Brechreiz und engem Medikationsplan, zwischen schier unerträglichen Schmerzattacken und erdrückender Mattheit. Dieser Zustand, der seit Jahren sein Leben bestimmt, fordert aus medizinischer Sicht Ruhe, permanente Dialyse, häufig schwere Operationen und ständigen Klinik-Aufenthalt.

Manch anderer würde Leere, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit empfinden. Aber Schinki? Obwohl immer nur für kurze Zeit zwischen den Behandlungen fit, spult er in Hockenheim mal eben knappe 500 km Dauerprüfung auf seinem Superbike-Viech ab und bohrt im abschliessenden Sprint jeden einschliesslich der ganz Schnellen weg. Danach? In einem Mass ausgepowert, das sich gesunde Menschen einfach nicht vorstellen können. Die vielleicht härteste Form von Energie-Effizienz. Weshalb die KTM-Gemeinde bewundernd in tiefstem Respekt niederkniet – dieser Junge ist einfach jenseits von tapfer.


 

„Ach weisst Du, das ist eigentlich gar nichts Besonderes. Klar müsste ich mich schonen, aber aus dem


Racing schöpfe ich mehr Energie als aus der Erholung. Das baut mich auf. Mit der Krankheit lebe ich, da gibt‘s keine Alternative. Aber warum mir das Leben von ihr verderben lassen? Ich muss eben fokussierter als früher planen und fahren, und vielleicht auch deshalb fahre ich besser denn je. Und habe noch mehr Spass dabei.“ Was gäbe es da hinzuzufügen? Außer „Weiter so, Schinki, Gas ist rechts!“ Aber das weisst Du ja...