Die KTM 450 EXC, mit der Johnny Aubert in der Enduro-Weltmeisterschaft 2009 in der E2-Viertakt-Klasse domi-niert, ist das mit Abstand erfolgreichste Bike. Doch was genau ist so besonders an dieser Werksmaschine? Und wie unterscheidet sie sich von einem Serien-Exemplar?
Man könnte annehmen, dass zwischen Factory-Bikes und Serienmaschinen ein Unterschied besteht wie Tag und Nacht. Schliesslich geht es in der Weltmeisterschaft hart auf hart; und nur die allerbesten Maschinen glänzen mit einer Performance, die reicht, um sich einen Platz auf dem Podest zu sichern – oder?
Sie werden sich wundern: Johnny Auberts Werks-KTM 450 EXC mutet auch unter der Lupe nicht wie ein exotisches, von Hand gefertigtes Spezialteil an. Das Bike, das sich jeweils an beiden Tagen der ersten fünf Läufe der Enduro-WM 2009 an der Spitze der E2-Klasse befand, ist tatsächlich viel mehr eine Standard- als eine Spezialversion. Die Maschine besteht hauptsächlich aus Produktionsteilen, die so kombiniert und arrangiert sind, um Aubert genau das zu geben, was er braucht.
„Der grösste Unterschied zwischen Johnnys Bike und einer Standard-450 EXC ist die Aufhängung“, erläutert Auberts Mechaniker Sebastien Foretainer. Wie alle Fahrer des Factory KTM Enduro-Teams verwendet Johnny die 52 mm USD WP Vordergabel und den Factory WP Hinterradstossdämpfer. Da Johnny so viel schneller ist als die meisten Fahrer, ist der Aufprall auf Steine, Baumwurzeln usw. viel härter als bei den anderen. „Er braucht eine Federung, die mit rauhem Terrain bei hohen Geschwindigkeiten klar kommt, gleichzeitig jedoch geschmeidig und sanft für die langsameren Streckenabschnitte ist. Die Federung in Kombination mit den Metzeler-Reifen und Mousses sorgt für perfekte Traktion. Die Aufhängung ist der grösste Unterschied zwischen Johnnys Bike und denen beim KTM-Händler. Es sind die einzigen Teile, die man nicht kaufen kann.“
Entfernt man die offiziellen Teammarkierungen von Auberts siegreicher 450 EXC, erhält man ein Bike, das allein für eine Aufgabe gebaut wurde: Enduro-WM-Rennen zu gewinnen. Das Bike zeichnet sich durch ein von Grund auf gradliniges, nüchternes Design aus und ist speziell darauf ausgelegt, Johnny die Leistung und das Handling zu bieten, die in der konkurrenzbetonten Enduro-WM unerlässlich sind. Bei Chassis, Rahmenheck, Schwinge und sämtlichen Bodyworkteilen handelt es sich um Standardausführungen“, ergänzt Sebastien. „Johnny verwendet eine andere Gabelbrücke mit 20 mm Versatz, aber das ist nur eine persönliche Vorliebe.“
Das Bike ist auf die Wünsche und Präferenzen des superschnellen Franzosen abgestimmt. Trotz seines aggressiven, hart-attackierenden Fahrstils bevorzugt Aubert einen geschmeidig-starken Motor.
KTM Enduro-Motorenbauer Kempi weiss, dass sich aggressive Power bei Enduro-Rennen nur schwer einsetzen lässt und greift auf seine langjährige Erfahrung zurück, um Johnny ordentlich Power mit einer kraftvollen, linearen Leistungsentfaltung zu bieten.
„Die meisten Motorteile sind identisch mit denen eines Sereinmotors. Sie werden jedoch auf unterschiedliche Weise kombiniert, um Johnny die gewünschte Leistung zu liefern. Die genaue Spezifikation des Motors kennen nur wenige Leute, aber sie unterscheidet sich nicht so sehr von der eines Standardmotors“, erläutert Sebastien.
Zwei Dinge, die etwas anders sind, sind das Getriebe und die Kupplung. Damit Johnny jederzeit auf die Power zurückgreifen kann, die er benötigt, ist ein Getriebe mit kleinerem bzw. kürzerem Übersetzungsverhältnis erforderlich. Hinzu kommt eine komplette Hinson-Kupplung. Johnny fährt eine Hinterrad-Übersetzung von 13 zu 50 Zähnen (Ritzel/Kettenrad).
Ein Detail hat Johnnys Bike mit einer Standard-450 EXC gemeinsam. Es verfügt über sowohl einen elektrischen Anlasser als auch einen Kickstarter. Obwohl zahlreiche KTM-Fahrer es in der Vergangenheit vorzogen, ohne E-Starter zu fahren (das Bike ist ohne deutlich leichter), will Johnny darauf nicht verzichten. Versteckt unter der Kunststoffverkleidung befindet sich dafür noch ein leichterer Kabelbaum.
Wie alle Bikes, die bei der Enduro-WM an den Start geschoben werden, ist Johnnys Bike so einfach und so leicht wie möglich ausgelegt. „Ein weiterer Unterschied zwischen Johnnys Maschine und einem Standardbike liegt einfach in der Art, in der es vorbereitet wird“, so Sebastien. „Bei Enduro-WM-Rennen geht es hart auf hart, daher muss vor Rennbeginn alles perfekt sein. Die Standard-450 EXC von KTM kann bei einem Enduro-WM-Rennen absolut mithalten, nicht umsonst schwören zahlreiche Privatfahrer darauf. Johnnys Bike ist lediglich so präpariert, dass alles optimal passt und funktioniert, damit er sämtliche Herausforderungen des Rennens meistern kann.“
Chrom-Molybdän
Aluminium
Renthal
WP-USD 52 MA
WP PDS-Zentralfederbein
Brembo Scheibenbremse 260 mm
Brembo Scheibenbremse 220 mm
1,6 x 21"; 2,15 x 18"
90/90-21"; 140/80-18"
13:50
Titan Akrapovic
63,5°
113 mm
1481±10 mm
ca. 8.5 Liter
ca. 112 kg
Rahmen
Rahmenheck
Lenker
Federung vorne
Federung hinten
Bremse vorne
Bremse hinten
Felge vorne/hinten
Bereifung vo/hi
Übersetzung
Enddämpfer
Steuerkopfwinkel
Radnachlauf
Radstand
Tankinhalt
Gewicht
Einzylinder, 4-Takt
449,3 ccm
95 x 63,4 mm
11:1
52 PS
Kick- und Elektrostarter / 3,6 Ah
6 Gänge
Keihin MX FCR 41
4V/OHC mit Rollenkipphebel
Druckumlaufschmierung mit 2 Eatonpumpen
33:76
Hinson-Kupplung, hydraulisch betätigt
Kokusan digital CDI
Motorbauart
Hubraum
Bohrung x Hub (mm)
Kompression
Leistung
Starter
Getriebe
Vergaser
Steuerung
Schmierung
Primärtrieb
Kupplung
Zündung
Einer der auffälligsten Unterschiede zwischen einer serienmässigen KTM 450 EXC und Johnnys Enduro-WM-Bike betrifft den Auspuff. Die nachgerüstete Akrapovic Titan-Anlage ist nicht nur leichter, sie bietet auch das extra bisschen Power – und verleiht dem Bike dazu einen aggressiven Racing-Look.
Ein Bereich, bei dem Factory-Teile zum Einsatz kommen, sind die Bremsen. Neben einer leicht progressiven Wirkung bieten die Brembo-Zangen vorne und hinten auch ein leicht höheres Bremsvermögen plus absolute Fadingfreiheit. Wenn man so schnell ist wie Johnny, ist das Bremspotential definitiv von entscheidender Bedeutung.