Enduro-Rennen gewinnen kann KTM am besten. Um der Beste zu sein, muss man bekanntlich auch besser vorbereitet sein als alle anderen. Die Fahrer sind fit, motiviert und ready für alles, was das Rennen fordern mag – gewinnen jedoch ist ohne perfektes Teamwork nicht möglich. Damit KTM sich bei der Enduro-WM behaupten kann, arbeitet eine ganze Armee Mitarbeiter hinter den Kulissen. Mechaniker, Fahrwerks-techniker und mehrere Zeitnehmer sind bei jedem Welt-meisterschaftslauf mit dabei. Und sogar ein Koch.
Für das KTM Enduro Factory Team ist ein Enduro-WM-Wochenende mit viel mehr verbunden, als nur dem zwei-tägigen Rennen. Zunächst einmal sind zahlreiche Vorbe-reitungen an den Motorrädern und Trucks erforderlich, bevor das Farioli-Team seinen Standort im italienischen Bergamo überhaupt verlassen kann. Entscheidend für den Erfolg der Fahrer sind jedoch die Arbeiten vor Ort.
„Die Team-Trucks treffen normalerweise gegen Mittwochmittag vor dem Grand-Prix ein“, erläutert KTM-Enduro-Teamleiter Fabio Farioli. „Wir achten darauf, die Trucks so zu parken, dass wir eine gute Position und einen guten Zugang innerhalb des Fahrerlagers haben. Anschliessend wird an einer Seite das Zelt aufgebaut. Ein Truck ist für die sechs Factory-Fahrer, ein zweiter Truck für die anderen Fahrer. Darüber hinaus verfügen wir über einen Bewirtungsbereich, in dem die Fahrer während des Wochenendes ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Bis Mittwochabend ist alles aufgebaut und fertig eingerichtet.”
Farioli weiter: “Jeder Factory-Fahrer verfügt über seinen persönlichen Mechaniker. Dazu kommen Kempi (Juha Kempainen), der für die Motoren zuständig ist, Enzo (Enzo Arnoldi), verantwortlich für Ersatzteile, und Fairo (Bruno Ferrari), unser technischer Leiter. Dazu verfügt das Team über drei Zeitnehmer, die die Fahrer während der Rennen auf dem Laufenden halten. Dann sind da noch ein Koch, ich selbst als Teamleiter und jeweils ein Mechaniker für zwei der restlichen Fahrer. Den Factory-Fahrern steht zudem ein WP-Techniker zur Verfügung.”
“Bei jedem Grand-Prix wird ein bestimmter Routineablauf befolgt. Am Mittwoch trifft das Team ein und baut alles auf. Am Donnerstag werden die Bikes fertig vorbereitet und am Nachmittag begeben sich die Fahrer in den Trainingsbereich, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Anschliessend werden die Bikes gewaschen, vorbereitet und mit neuen Reifen, Plastics und Aufklebern versehen. Freitagmorgen müssen sich die Fahrer offiziell bei der administrativen Abnahme für das Rennen anmelden. Am Nachmittag präsentieren die Fahrer ihre Maschinen zur technischen Abnahme, bevor diese in den Parc Fermé gebracht werden. Danach begeben sich die Fahrer zurück zum Hotel, um auszuruhen und sich auf den KTM Super Test am Freitagabend vorzubereiten.“
Das KTM-Camp innerhalb des WM-Fahrerlagers ist zugleich einer der geschäftigsten und ruhigsten Orte. Zu bestimmten Zeiten ist alles vollkommen verlassen. Samstag und Sonntag befinden sich die Fahrer für fast sieben Stunden auf der Strecke, wo sie ihr Bestes geben, während sich die Mechaniker bei Start und Ziel der jeweiligen Spezialtests positionieren, um die Fahrer bei Bedarf nach besten Kräften zu unterstützen. Die Zeitnehmer sammeln eilig Testzeiten, damit die Fahrer genau wissen, wie ihre aktuelle Position aussieht. Das einzige Mitglied des Teams, das noch im Lager anzutreffen ist, ist der Teamkoch Luca.
Zu anderen Zeiten wimmelt es im KTM-Truck nur so vor Leuten, vor allem gegen Ende des Tages. Denn für sechs Fahrer müssen jeweils zwei neue Reifen aufgezogen, das Motoröl gewechselt, saubere Luftfilter montiert und ab und zu auch mal ein sturzbeschädigtes Teil ausgetauscht werden. Die Mechaniker schwirren wie fleissige Bienen um die Bikes herum. Jeder hat eine bestimmte Aufgabe, Präzision und Teamarbeit sind entscheidend.
Der Große Preis der Slowakei war typisch für ein geschäftiges WM-Wochenende für das KTM Enduro Factory Team...
Freitag, 19. Juni, 16.25 Uhr – Der KTM-Truck ist fast menschenleer. Jetzt, da sich die Bikes im Parc Fermé befinden, ähnelt das riesige Teamzelt einer leeren Kirche. Die Stille ist jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm.
Freitag, 19. Juni, 20.30 Uhr – Im KTM-Lager herrscht emsige Betriebsamkeit: Fahrer, Mechaniker und Teammitarbeiter gehen ihren Aufgaben nach und der Truck ist umringt von zahlreichen Enduro-Fans. Nach dem KTM Super Test checken die Mechaniker noch einmal die Bikes vor dem ersten echten Renntag. Luca bereitet das Essen für alle Teammitglieder vor und der Duft frisch gekochter Nudeln erfüllt das Zelt.
Samstag, 20. Juni, 8.30 Uhr – Da es regnet, beginnt in der KTM-Box die eilige Suche nach Regenjacken und Regenschirmen. Da jetzt offiziell „B“-Zeit gilt, haben die Fahrer etwas mehr Zeit, um jede ihrer Zeitkontrollen anzufahren. Während die Fahrer ihre Ausrüstung anziehen, drehen sich die Gespräche hauptsächlich um das Wetter. Jeder weiss, dass es ein hartes Rennen wird. Ein entspannter Johnny Aubert und sein Mechaniker Sebastien plaudern über das Rennen, während Teamchef Fabio Farioli prüft, ob alle bereit sind.
Samstag, 20. Juni, 9.45 Uhr – Alle Fahrer befinden sich auf der Rennstrecke und der KTM-Truck steht leer. Koch Luca ist im örtlichen Supermarkt, um einzukaufen. Martijn, der WP-Fahrwerkstechniker, ist die einzige Person vor Ort.
Samstag, 20. Juni, 11.00 Uhr – Da die Enduro-Klasse 2 mit zu Anfang des Rennens startet, ist Johnny Aubert der erste Fahrer, der am Ende der Eröffnungsrunde für den Servicecheck ins Fahrerlager zurück kehrt. Er spürt die Nässe und Kälte, und ihm schwahnt, dass es ein schwieriges Wochenende wird. Dennoch befindet er sich ganz vorne in der E2-Klasse, auch wenn nicht alles so läuft, wie er will.
Samstag, 20. Juni, 16.08 Uhr – Ein enttäuschter Ivan Cervantes trifft am Ende eines langen, harten Tages in der KTM-Box ein. Der aktuelle E3-Weltmeister hat es das erste Mal in dieser Saison nicht auf das Podest geschafft. Nach einigen aufmunternden Worten seines Mechanikers macht sich Ivan daran, seine Reifen zu wechseln. Seine Factory 525 EXC ähnelt mehr einem Haufen Matsch als einer KTM Enduro.
Samstag, 20. Juni, 17.00 Uhr – Fütterungszeit. Vor der Siegerehrung in 30 Minuten geniessen die Fahrer des KTM-Teams eine wohlverdiente Mahlzeit. Man könnte meinen, die Fahrer hätten seit Monaten nichts zu essen bekommen. Während zahllose Teller Nudeln konsumiert werden, kehren auch die Zeitnehmer zurück, die allesamt pudelnass sind.
Sonntag, 21. Juni, 8.25 Uhr – Noch mehr Regen. Obwohl über Nacht zahlreiche Änderungen an den Sonderprüfungen vorgenommen wurden, wissen alle KTM-Fahrer, dass sie ein weiterer harter Tag erwartet. Der amtierende E3-Weltmeister Samuli Aro genießt seinen morgendlichen Kaffee. Einige Zuschauer versammeln sich am Team-Truck, um einen Blick auf ihre Lieblingsfahrer zu erhaschen.
Sonntag, 21. Juni, 13.25 Uhr – Alessandro Belometti, Fahrer der Enduro Klasse 2, betritt das Teamzelt. Mit seinem verletzten kleinen Finger der linken Hand, der genäht werden musste, muss sich Bello ganz schön zusammenreissen. Entschlossen, es bis zum Ende des zweitägigen Events zu schaffen, trinkt er etwas, während die Mechaniker das Bike säubern und checken.
Sonntag, 21. Juni, 17.00 Uhr – Ein weiterer Enduro-Weltmeisterschaftslauf geht zu Ende und für Johnny Aubert war es erneut ein siegreiches Weekend. Erneut ungeschlagen, rückt er in der E2-WM-Gesamtwertung weiter nach vorne. Während sich Johnny auf die Siegerehrung vorbereitet, packt auch das Team langsam alles zusammen, für die Rückreise.
Sonntag, 21. Juni, 21.00 Uhr – Wo sich zuvor das betriebsame KTM-Lager befand, ist jetzt nur noch eine leere Fläche, geziert von kleinen Häufchen Matsch. Der Truck macht sich nach Ende eines weiteren erfolgreichen Wochenendes auf den Weg von der Slowakei nach Italien. Nächstes Ziel: der Große Preis von Mexiko. Auch wenn sich manches wiederholt, jedes Rennen ist anders und immer wieder spannend.